Mittwoch, März 10, 2010

Lake & St. Petersburg, Paris, 09.03.10


Konzert: Lake (St. Petersburg)

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 09.03.2010
Zuschauer: leider nur 20 oder so, sehr schade!



Totales Kontrastprogramm zum gestrigen Konzertabend. Statt Luxusboutique, Shampus und Peter Doherty gab es Clubkelleratmosphäre, Bier und die wunderbare Indie-Pop Band Lake. Hier und heute fühlte ich mich doch deutlich wohler als bei dem Fashionweek-Gesindel von gestern. Jammerschade bloß, daß sich optimistisch geschätzt höchstens 20 Leute eingefunden hatten. Für das Espace B muß einfach noch deutlich mehr die Werbetrommel gerührt werden, sonst steht zu befürchten, daß hier bald die Lichter ausgehen. Aber so negativ wollen wir gar nicht denken, zumal es an dem Programm und den Preisen nicht liegen kann, denn die Künstler sind oft hochkarätig und der Eintritt für Pariser Verhältnisse äußerst moderat (zwischen 5 und 10 Euro).

Mit Lake aus Washington hatten die Programmgestalter einen ganz besonderen Leckerbissen aufgetischt. Feinster Twee-Pop mit unverschämtem Charme und Akteuren, die sich innerhalb kürzester Zeit in die Herzen der (wenigen) Zuschauer spielten. Allein ihr famoses Label K Records bürgt für Qualität, schließlich veröffentlichen dort prima Künstler wie Rose Melberg und ihre früheren Bands, Karl Blau, Kimya Dawson und Jeremy Jay, um nur ein paar zu nennen. Lake brachten jedenfalls keine Schande über K Records, sondern untermauerten den guten Ruf des Ladens. Von Anfang bis Ende sprühten die vier jungen Menschen vor Spielfreude und waren allesamt bestens aufgelegt. Eine ungemein sympatische und lustige Truppe mit der Halbschwedin Ashley Eriksson als Hauptsängerin, die sich aber diesen Job auch mit Eli Moore teilte. Beim Genuß ihres Sets kamen einem die tollsten Indie Pop Bands in den Sinn. Man dachte wohlig an die Pastels, Belle & Sebastian, aber auch die Softies, oder (bei Madagascar) an The Whitest Boy Alive. Einfach herrlich, ihr luftiger, aber dennoch erdiger Sound, der unglaublich viel Sonne gesehen hat. Die gespielten Stücke waren mir vorher gänzlich unbekannt, gefielen aber fast durchgängig auf Anhieb. Witzigerweise hatte die Band die Setlist auf die Kreidewand hinter der Schlagzeugerin geschrieben, so daß das Publikum mitverfolgen konnte, welcher Song als nächster dran war. Ashley machte sich einen Spaß daraus, zu erfragen, was denn wohl jetzt gespielt würde. Ein Franzose sprach aber den Titel Remote (Control Cars) so falsch aus, daß die Amis gar nicht verstanden, was der Frenchie meinte. Der Song war übrigens super, aber der nachfolgende gefiel mir noch einen Tick besser. Christmas Island war so was von schön, daß ich dahinschmolz. Aber Lake ließen nun nicht mehr locker und schickten das beschwingte Don't Give Up hinterher. In mir wuchs immer mehr das Gefühl, da gerade eine neue Lieblingsband zu sehen. Stundenlang hätte ich den vier Sympathen zuhören können, aber das war zeitlich natürlich nicht drin. Dafür spendierten sie mit Madagascar aber noch eine Zugabe, die mich ein wenig an den Groove von The Whitest Boy Alive erinnerte, was überhaupt nicht verkehrt war!

Anschließend kaufte ich am Merch alles, was ich kriegen konnte, darunter eine Vinysingle und zwei Alben. Den aktuellen Output Let's Build A Roof hatten sie gar nicht dabei, weil es in Tschechien wohl Probleme mit dem Zoll gab und sie nicht alle Alben einführen durften (komisch, oder?). Da liegt der Verdacht nahe, daß sich jetzt tschechische Zöllner den tollen Twee Pop von Lake reinziehen. Ein amüsanter Gedanke, nicht wahr?

Setlist Lake, Espace B, Paris:

01: The Roof Caves In
02: Dead Beat
03: Breathing
04: Roger
05: Remote Control Cars
06: Christmas Island
07: Don't Give Up
08: Pilgrim's Day

09: Madagascar

Links:

- Pitchfork.com über Lake - Let's Build A Roof

- Das Klienicum über K Records und Lake. Klick!
- Entzückender Videoclip, Lake - Christmas Island
- Lake, Madagascar live



Dienstag, März 09, 2010

Fanfarlo, Paris, 08.03.10


Konzert: Fanfarlo pour L'Album de la semaine

Ort: Studio 104 de Canal +, Plaine Saint-Denis

Datum: 8.03.2010
Zuschauer: ausverschenkt, etwa 100



Résumé en français ci-dessous


Mein französischer Freund Philippe D war gestern abend bei der Liveaufzeichnung des Konzertes von Fanfarlo für die Sendung Album de la Semaine bei Canal +. Er hat uns netterweise einen Konzertbericht auf französisch mitgebracht (merci Philippe!). Für diejenigen, die die Sprache von Molière nicht beherrschen, sei erwähnt, daß es sich um ein ziemlich kurzes Konzert handelte, bei dem nur 7 Titel vorgetragen wurden. Trotz des neuen Ruhms (Fanfarlo waren kürzlich bei David Letterman eingeladen und hatten somit ein Millionenpublikum hinter den Bildschirmen), war die Truppe bester Laune und bot ein richtig gutes Set. Die lustigste Szene ereignete sich am Ende, als die Violinistin Cathy Lucas zu früh ihre Geige zur Seite gelegt hatte und der Song The Walls Are Coming Down noch einmal gespielt werden musste. Alle lachten sich halbtot!

Bassist Justin Finch verriet hinterher, daß die Band schon an neuen Liedern arbeite (darunter ein Fleetwood Mac Cover mit dem Titel What Makes You Think You're The One), aber in Kürze kein neues Album anstehe. Man wolle sich im Moment auf die Konzerte konzentrieren.

Pour nos lecteurs français (par Philippe D, merci beaucoup Philippe!)

Le groupe anglo-suédois Fanfarlo gagne petit à petit en notoriété. Après un passage rapide au festival des Inrocks (la Boule Noire, le 7 novembre 2009), puis un concert en tête d’affiche dans une Maroquinerie pleine à craquer (le 21 janvier 2010), Fanfarlo était hier à Paris pour participer à l’enregistrement de l’Album de la Semaine dans les studios de Canal +.

Entretemps, Fanfarlo a franchi l’Atlantique avec succès en assurant quelques dates aux Etats-Unis et surtout, sorte de consécration, en jouant le 15 février dernier sur le plateau de David Letterman (The Late Show) dont l’audience monstrueuse devrait leur fournir des bataillons de fans.
S’agissant ce soir d’un mini concert de 7 titres, aucune surprise dans la setlist qui s’est concentrée sur les meilleurs morceaux de l’excellent album Reservoir. Le groupe paraissait d’excellente humeur et la prestation fut très bonne (comme toujours). En guise de rappel, le premier titre fut rejoué une fois… et demie (la violoniste Cathy Lucas ayant reposé son violon un peu trop tôt, ce qui causa l’interruption du morceau dans l’hilarité générale).
Après le show, Justin Finch (le bassiste du groupe), nous a indiqué que Fanfarlo a quelques nouveaux titres (dont la cover de Fleetwood Mac What Makes You Think You’re The One), mais qu’aucun nouvel album n’est en préparation, le groupe se concentrant sur la scène… y compris un retour très prochain à Paris : ce sera le 14 avril au Trabendo !

Setlist Fanfarlo, Album de la Semaine, Canal +, Paris:


01:The walls are coming down
02:Finish line
03: Harold T. Wilkins
04: I’m a pilot
05: Ghosts
06: Comets
07: Luna


Rappel :

08: The walls are coming down

Links:

- English Review of this show by Rockerparis. Klick!
- Fotos by Oliver Peel. Sie stammen vom Konzert in der Maroquinerie.

- Video, Fanfarlo live bei Letterman. Cool! Klick!



Peter Doherty, Paris, 08.03.10


Konzert: Peter Doherty

Ort: Modeladen Jacob, 14, Avenue Montaigne, Paris
Datum: 08.03.2010
Zuschauer: ? 150-200?
Konzertdauer: etwa eine Stunde


Privatkonzert von Peter Doherty in einem Schicki-Micki-Modeladen in der nobelsten Straße von Paris. Dank des unglaublichen Talentes von Rockerparis, sich in die exklusivsten Events hereinzuschmuggeln, haben wir es irgendwie geschafft, die bulligen Türsteher zu passieren...

Und hier gibt es das Ganze ausführlich:

Ein Abend, an dem ich auf der Suche nach musikalischer Unterhaltung wie ein einsamer Steppenwolf durch das bitterkalte Paris gelatscht bin. Zum Glück hatte ich mich vorher an einem heißen Tee erwärmt, den mir Uschi spendiert hatte. Genau wie ich, ist sie in der Stadt der Liebe gelandet und Teil der kleinen (oder großen?) deutschen Community in Paris. Als ich mich gegen 20 Uhr 15 von ihr verabschiedete, hatte ich noch keinen Plan, wo ich hingehen sollte. Die Session von Fanfarlo in den Studios des Privatsenders Canal + hatte ich verpasst, obwohl mich Leute freundlicherweise dazu eingeladen hatten. Mir war der Weg nach Saint Denis aber zu weit und irgendwie kann ich auf diese sterile Studioatmosphäre und den animateurhaften Moderator auch nicht so richtig. Also nix Canal + und Laufschritt (ich war spät dran) Richtung Bataclan, wo Hot Chip angesetzt waren. Natürlich wußte ich, daß dieses Konzert ausverkauft war und eine Akkreditierung hatte ich auch nicht beantragt, aber ich wollte doch mal gucken, was da so vor sich geht. Vielleicht gab es überschüssige Einladungen oder dergleichen? Aber ich war zu optimistisch, die Schlange vor dem Bataclan war riesig und selbst Schwarzhändler suchten Karten (natürlich, um sie später teurer wieder zu verkaufen). Bis zu 70 Euro wollten die Burschen für ein Kärtchen haben, ein schlechter Witz! Ich machte kehrt und ging ins nahegelegene Pop In. Aber da gab es heute dummerweise kein Konzert. Ein weiterer Schuß in den Ofen! Ich entschloß mich , brav wie ein Klosterschüler nach Hause zu fahren. Unterwegs in der Metro fiel mir dann aber wieder ein, daß Peter Doherty ein exklusives Konzert für die Pariser Fashion Week in einer Nobelboutique in der Protzstraße Avenue Montaigne geben würde. Eine Einladung hatte ich natürlich keine. Was habe ich schon mit den eitlen Modefuzzis am Hut? Trotzdem musste ich da jetzt hin, meine Neugierde war einfach zu groß! Ich latschte an den ganzen feinen Läden vorbei, die sich hier wie Perlen auf einer Kette reihen. Chanel, Dior, Louis Vuiton, Armani, teurer Kram, den kein Mensch braucht, der sich aber auch in Krisenzeiten weiterhin gut verkauft. Von weitem sah ich schon die bulligen Einlasser vor der Boutique Jacob, wo das Konzert stattfinden sollte. Wie verhalten? Bluffen und sagen, daß man eine Einladung hätte, in der Hoffnung, daß die Typen die Liste nicht kontrollieren? Da dachte ich plötzlich an Angelo Misterioso von Rockerparis. Der kommt in diese beknackten Exklusivsachen immer irgendwie rein. Der weiß einfach. wie er sich zu verhalten hat und zieht das dann auch kaltschnäuzig durch. Ich rief ihn an. Witzigerweise war er gerade auf dem Weg zu der doofen Boutique. Er sei in fünf Minuten da. Zusammen mit Madame Mime erschien er dann auch wirklich kurze Zeit später. Draußen war es saukalt, also war jetzt kein Zaudern mehr erlaubt. Angelo ging vor. Er sagte uns, daß er den Typen am Eingang vorgauckeln würde, wir seien Musikjournalisten und von Peter Doherty persönlich bestellt worden. Der erste Teil stimmte ja auch irgendwie, der zweite war leicht geflunkert. Angelo war in Hochform, er sagte sein Sätzchen auf und der Einlasser glaubte ihm aufs Wort.! "Gehören die zwei anderen Personen da auch zu ihnen? fragte er den Rockerparis und wir nickten alle drei. Und schwups, waren wir nach dem Passieren eines Ganges drin! Bis zum Geht-nicht-mehr aufgebrezelte Weibsbilder soffen Champagner und versuchten mit ihren doofen Iphones Fotos von Peter zu schießen, der gerade Can't Stand Me Now spielte. Keine Frage, das Publikum war sauätzend! Arrogant, versnobt und wichtigtuerisch. Mir graute es. Aber ich versuchte mich auf das Konzert zu konzentrieren und ein paar nette Fotos zu machen. Peter sah leider sehr müde und fertig aus. Er war blass und hohlwangig und seine Haare viel zu lang und ausgefranst. Dennoch spielte er mit Dampf und Inbrunst und spulte routiniert sein Porgramm ab. Ansagen an das Publikum gab es so gut wie gar keine. Ihm war sicherlich klar, daß hier die allerwenigsten seine Lieder kannten und entsprechend egal waren ihm auch die Leute. Viele Lieder spielte er ohne Pause hintereinander weg, vielleicht um schneller mit dem Set durch zu sein. Aber er gab sich Mühe, bewegte sich viel, greinte wie gewohnt und schrammelte mit viel Power auf seiner Akustikgitarre. Ich fand das sehr professionnel. Als kühl und berechnend konnte man das Ganze trotzdem nicht bezeichnen. Pete machte seinen Job und er machte ihn gut. Die Setlist ließ nicht viele Wünsche offen, da gab es wie immer Klassiker von den Libertines, mit meinen Lieblingen What A Waster und Don't Lok Back Into The Sun und die Kracher von den Babyshambles wie Albion, Back From The Dead und natürlich Fuck Forever. Die ersten drei Songs mit den Stücken vom Soloalbum Waste/Graceland hatten wir verpasst. Seine beiden französischen Ballettänzerinnen tanzten zu den meisten Songs und brachten etwas Farbe ins Spiel. Sehr nette Mädels im Übrigen, wie ich hinterher feststellen konnte, als ich die Gelegenheit hatte, mit ihnen ein wenig zu plaudern. Ich traf sie nicht zum ersten Mal außerhalb der Bühne, aber zu einer Unterhaltung war es vorher noch nie gekommen. Schön, daß sie auf dem Teppich geblieben sind, obwohl sie mit einem echten Rockstar wie Pete durch die Welt ziehen. Der hatte seine Arbeit nach etwa einer Stunde mit What Katie Did erledigt und verschwand mitsamt seiner obligatorischen Union Jack Flagge schweißgebadet in unbekannte Richtung. Das gestylte Publikum fing nun an, richtig Shampus zu saufen, das Zeug war ja auch umsonst. Ein paar der aufgetakelten Damen hatten hinterher mächtig einen im Tee. Aber man kann sie verstehen. Wie sonst kann man eine solch wichtigtuerische Gesellschaft ertragen? Ich persönlich lehnte den Champagner ab und naschte auch nicht von den gereichten Häppchen. Ich wollte das Konzert sehen und das hatte ich geschafft. Um mehr ging es mir nicht. Bis bald Pete!

Auszug aus der Setlist Peter Doherty, Jacob, 14, avenue montaigne, Paris:

- Last Of The English Roses

- Arcady
- Broken Love Song
- Can't Stand Me Now (Libertines)
- What A Waster (Libertines)
- Music When The Lights Go Out (Libertines)
- Beg, Steal Or Borrow (Babyshambles)
- Don't Look Back Into The Sun (Libertines)
- Albion (Babyshambles)
- Delivery (Babyshambles)
- Back From The Dead (Babyshambles)
- Fuck Forever (Babyshambles)
- What Katie Did (Libertines)

Links:

-
Thanks a million to Rockerparis for the great videos
- Mehr Fotos von dieser Veranstaltung. Klick!
- English Review with great pictures and Videos @ Rockerparis






Montag, März 08, 2010

Get Well Soon, Heerlen, 07.03.10


Konzert: Get Well Soon (& Musée Mécanique)
Ort: Nieuwe Nor, Heerlen
Datum: 07.03.2010
Zuschauer: ca. 150 bis 200 (nicht ganz ausverkauft)
Dauer: Get Well Soon 90 min, Musée Mécanique 45 min


Der Ort Heerlen in den Niederlanden verliert für ein Konzert an einem späten
Sonntagabend deutlich an Schrecken, wenn man sich in der Euregio Maas-Rhein, dem Gebiet zwischen Aachen, Lüttich und Maastricht ein wenig auskennt. Heerlen ist von Aachen nämlich gerade mal 20 min entfernt und damit vollkommen akzeptabel als Ausgehstadt. Aber eigentlich bedurfte es dieses Schönredens nicht, weil Get Well Soon schließlich auch weitere Anreisen rechtfertigten.

Als wir im Nieuwe Nor ankamen, waren wir auch nicht die einzigen Grenzgänger, Einheimische schienen sogar in der Minderheit zu sein. Der Club befindet sich in einem Backsteingebäude mitten in der Innenstadt, das früher mal den Gebrüdern
Schmitz gehört hatte (keine Ahnung, wer die waren, ihr Name steht aber noch an der Fassade). Hinter eine Kneipe kommt man zum Konzertsaal, der ziemlich klein aber sehr sehr schön ist. Es ist einer dieser Säle, die extra für Konzerte gebaut wurden. Über dem Zuschauerraum verläuft eine kleine Galerie, ansonsten hat der Saal eine herrlich hohe Decke und ganz offensichtlich eine sehr gute Technik- und Lichtanlage. Nur schien die Bühne ein wenig klein zu sein für das, was kommen sollte.

Es begann erst einmal mit Musée Mécanique aus Portland, Oregon. Irgendwie schafften die drei Musiker es, sich auf der vollkommen zugestellten Bühne Platz zu verschaffen. Überall standen Trommeln, Keyboards, Glockenspiele, Gitarren und
Mikros. Der Platzmangel hinderte Micah Rabwin, Sean Ogilvie und Brian Perez aber nicht daran, pünktlich um neun mit ihrem wundervollen Set zu beginnen.

Anders als man bei Portland erwarten würde, ist die Musik der eigentlich fünfköpfigen Band sehr leise und folkig und überhaupt nicht gitarrendominiert.
Ganz im Gegenteil: sehr selten kam überhaupt einmal eine akustische Gitarre zum Einsatz, dominiert wurde die Instrumentierung von Keyboards und meinen Lieblingen, also Glockenspielen, einer Melodica und allerlei Rasseln.

Das Was war schon toll, das Wie aber deutlich spektakulärer! Micah und Sean (die beide schon bei
einer Oliver Peel Session Laura Gibson begleitet haben) standen rechts und in der Mitte und tauschten häufig die Plätze. Derjenige, der rechts am Keyboard saß, hatte außerdem ein Glockenspiel, ein Becken und ein paar Rasseln zu bedienen. Der Mann in der Mitte spielte Bassdrum, manchmal Gitarre und Keyboard. Wirklich vollgeladen war allerdings Brian. Er hatte auf dem Schoß eine Steelguitar, vor sich ein Keyboard und mindestens ein Glockenspiel und im Mund den Schlauch einer Melodica. Das waren die Sachen, die ich sicher erkennen konnte...

Jeffery und Matt, Bassist und Schlagzeuger (und beide auch Glockenspieler) hatten es nicht geschafft, die Tour mitzumachen. "Also muß Brian die Band ersetzen!" Es
war fabelhaft und genau richtig für mich. Überall klingelte es, es gab Glockenspiel-Duette und wundervolle, ruhige Stücke, die hervorragend zur Hauptgruppe passten. Daß eine so instrumentierte Band auch eine singende Säge einsetzt, muß ich nicht extra erwähnen, oder?

Der Umbau zu Get Well Soon dauerte länger als gewohnt. Das hatte seine Ursachen aber nicht in dem wenigen Platz auf der Bühne, es gab vielmehr Probleme am Keyboard von Marcus Wuest. Mit einigen Minuten Verspätung waren die aber gelöst, zumindest bekam ich nichts mehr davon mit, daß irgendetwas nicht funktionieren könnte.

Die Setlist war natürlich die von Frankfurt, weil die aktuellen Konzerte synchron zu einem Film ablaufen. Es ist also mehr Live-Soundtrack als Konzert, was zu der Musik von Konstantin Gropper ja ganz ausgezeichnet passt.

Weil ich es ja vorher schon einmal gesehen hatte, erlebte ich das Konzert anders, hatte aber - und das ist (auf bankisch) am Ende des Tages wichtig - das gleiche Vergnügen an der ganz ausgezeichneten Darbietung. Wie unglaublich liebevoll Film und Musik aufeinander abgestimmt sind, ist wundervoll. Und mir sind bisher sicher die meisten dieser tollen Details verborgen geblieben. Wenn bei
Ticktack! Goes my automatic heart vom "bird from far away" gesungen wird, und der dann wirklich irgendwo zwitschert, der Geisterchor in We are ghosts genau an der richtigen Stelle singt - dann ist das ganz große Kunst! Oder die Tortenschlacht, die ich schon in Frankfurt beschrieben hatte. Toll!

Musikalisch war das komplette Konzert großartig, die Phase der ganz ganz großen Hits begann aber beim Charlton-Heston-Lied
If this hat is missing I've gone hunting. Wen das und die folgenden Stücke kalt ließen, der war wirklich vollkommen fehl am Platz. Davon war allerdings nichts zu spüren, denn trotz des überschaubaren Saals klang es, als spielten Get Well Soon vor großem Hause.

Die ganz großen Säle (oder Samstagabendshows) werden Get Well Soon sicher auch künftig nicht spielen. Aber wie großartig, daß die beiden außergewöhnlichen Alben so viel Anerkennung erfahren, daß Vexations auf Platz 11 in den deutschen und auf Platz 7 in den griechischen Charts eingestiegen ist! Sehr bald werden amerikanische Bands in unseren Interviews auf die Frage nach deutschen Bands nicht mehr Rammstein, Scooter und Scorpions nennen. Das wäre doch eine wahrhafte Kulturrevolution!

Setlist Get Well Soon, Mousonturm, Frankfurt:

01: Nausea (instr.)
02: Seneca's silence
03: People Magazine front cover
04: We are free
05: 5 steps / 7 swords
06: A voice in the Louvre
07: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day
08: Werner Herzog gets shot
09: That love
10: Aureate
11: If this hat is missing I've gone hunting
12: We are ghosts
13: A burial at sea
14: Ticktack! Goes my automatic heart
15: Angry young man
16: We are the Roman Empire

17: Christmas in adventure parks (Z)
18: Help to prevent forest-fires (Z)
19: I sold my hands for food so please feed me (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

- Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
- Get Well Soon, Paris, 26.01.10
- Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
- Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
- Get Well Soon, Paris, 06.05.09
- Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07



Vera Gogh, Paris, 07.03.10


Konzert: Vera Gogh

Ort: Les Disquaires, Paris
Datum: 07.03.2010
Zuschauer: höchstens 20, leider
Konzertdauer: 35-40 Minuten

Englis translation at the end of the article!


Musikern, die schon einmal eine Oliver Peel Session gespielt haben, stehe ich natürlich besonders nahe. Ich will wissen, wie sich weiterentwickeln, ob sie Auftrittsmöglichkeiten bekommen, CDs herausbringen, etc. Die Kalifornierin Vera Gogh, die unser Wohnzimmer am 14. Juli 2009 beehrt hatte, macht da keine Ausnahme. Auftritte in kleinen Cafés und Bars hatte sie seitdem eine ganze Menge, aber ärgerlicherweise war ich nie dabei. Die meisten fanden allerdings während unseres Sommerurlaubs in Deutschland statt. Vera war zu dieser Zeit immer noch in Paris und kommt auch der Liebe wegen immer wieder in die Stadt der ..., nun, ja, Liebe. Tja, das passt ja auch irgendwie! In dieser wilden, hormonausschüttungsintensiven Phase ist auch ein in Spanien gedrehtes Video entstanden, das einen gewissen Kultstatus erlangt hat. Vera Gogh ist darin splitterfasernackt, bedeckt ihren schönen Körper aber unglaublich geschickt mit ihrer Akustikgitarre. Kein Nippelalarm also, aber man kann ja ein wenig seine Fantasie bemühen und außerdem ist das Lied wundervoll!



Heute also ihr gefühltes 10. Konzert in Paris, aber mein erstes mit ihr außerhalb der eigenen vier Wände. Nur ganz wenige Zuschauer hatten sich eingefunden, aber da darunter viele Freunde und Bekannte von mir waren, enstand auch chez Les Disquaires eine Art Wohnzimmeratmosphäre. Wir hatten Vera sozusagen fast ganz für uns alleine. Und die Kalifornierin war toll! Mit ungemein variabler Stimme durchwanderte sie alle Ton-und Stimmungslagen von lasziv gehaucht bis inbrünstig geschrien und schaffte es, mich innerhalb kürzester Zeit zu fesseln. Ihre Texte sind gerne einmal vulgär, werden aber durch den lieblich-süßen Vortrag oft konterkariert und wenn man nicht aufpasst, denkt man sich hinter einfach nur: ja, war ein schönes Lied, so friedlich und harmonisch. Genau das passierte mir und erst hinterher klärte Uschi mich über einen der Texte auf, in dem es unter anderem um Oralsex ging. Die süße Vera hat es also faustdick hinter ihren kleinen Öhrchen und genau dies macht einen Teil ihrer Faszination aus. Meine Fresse ist das ein Weib! Der Typ Frau, der Männer um den kleinen Finger wickelt und sie vollkommen schwindelig macht. Man (n) kann ihr mit Haut und Haaren verfallen, so faszinierend ist sie. Selbst der kultige Videofilmer Vincent "La blogothèque" Moon ist auf sie aufmerksam geworden und hat sie im letzten Jahr auf Zelluloid gebannt. Den Liveclip kann man sich genau wie etliche andere interessante Filmchen auf Vera's Myspace Seite angucken. Das schöne an der Gogh ist neben ihrem Äußeren die Tatsache, daß man gleich mehrere Sängerinnen auf einmal geboten bekommt. Die kess-freche und vulgäre Art teilt sie mit Regina Spektor, das lasziv-erotische Element mit Marilyn Monroe und das folkig-geerdete Moment (welches bei ihr freilich weniger ausgeprägt ist) mit Alela Diane, die sie im Übrigen auch gut kennt, da beide aus der gleichen Ecke stammen.

Heute spielte Vera so einige neue Lieder, die sehr vielversprechend waren. Aber die Zeit war knapp und rannte unerbitterlich, weil der Laden um 22 Uhr schließen musste. Dunkel war's, aber die warmen Lieder haben Licht in unsere Herzen gebracht. Wie kitischig formuliert, hahaha!

Vera Gogh ist dufte! Kapiert?

Gute Nacht!

Setlist Vera Gogh, Les Disquaires, Paris (thanks to Uschi andVera):

01: Hometown
02: When Somebody IsGone
03: Let's Make Love To The Disconnect
04: Louder Than Words
05: Other Woman/There Is No Time
06: Vessel


For our english speaking readers (translation from Uschi, great work, thanks!):

You may understand that I try to follow closely those artists who have already played an Oliver Peel Session. I want to see how they develop, if they get booked, get CDs out and so on. Vera Gogh from California is no exception; she gave us the honour to play in our living room on July 14th, 2009. Love made Vera stay in Europe over the last summer where she played many gigs in smaller venues and bars, but unfortunately, we were on summer holidays in Germany. A video taken in Spain (by Valerie Heine, Oliver!!!) during that hormone intense period shows Vera’s beautiful body, smartly covered with nothing but her acoustic guitar. You won’t see nipples, but you can use your imagination, and moreover, the song is wonderful! The video has gained cult status on YouTube. And love brought Vera back to the city of love. This must be her 10th show in Paris, but the first time that I see her perform in a public venue. Only few people came, but amongst them were a lot of friends and acquaintances, and Les Disquaires became a kind of living room, too.
It almost felt like Vera was playing just for us. This girl from California was great! She took her versatile voice through all possible keys and atmospheres, from lascivious whispering to shouting out loud, and compelled me immediately. From time to another, her lyrics are vulgar, but the sweet sound of her voice mellows their meaning. If you don’t listen to the words, you might think: oh, what a lovely song ... so peaceful and harmonious. That’s exactly what happpend to me, until Uschi explained me that one of the songs was about oral sex. Sweet Vera is a sly old dog, which is part of her charm. Oh Lord, what a woman! She’s so fascinating, she's the kind of girl who takes men’s hearts by assault. Vera even called cult video artist Vincent "La blogothèque" Moon’s attention – you can see his clip, as well as many other interesting videos, on Vera’s Myspace page. The great thing about Vera, besides her looks, is the fact that you get several singers in one. She can be as vulgar – in a kerky way - as Regina Spektor, has the eroticism of a Marylin Monroe and the earthy, folky ingredient of Alela Diane, who she knows well, by the way, since they are from the same area.





Tonight, Vera performed some very interesting and promising new songs. But we ran out of time because the venue had to close at 10pm. It was dark in there, but the warm songs brought light into our hearts. Ha, that sounds tacky! Vera Gogh is awesome! Got me?

Good night.








Sonntag, März 07, 2010

dd/mm/yyyy, Paris, 06.03.10


Konzert: dd/mm/yyy

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 06.03.2010
Zuschauer: etwa 300
Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten



Ist schon sehr speziell, was die Kanadier von dd/mm/yyyy (sprich day, month, year), da fabrizieren. Kann man das unter Math Rock fassen? Aber in diese Schublade wurden ja auch Foals gesteckt und vom eingängigen, chartskompatiblen Sound der Engländer sind dd/mm/yyyy wirklich meilenweit entfernt. Also wen dann als Vergleich heranziehen? Battles? Könnte man, aber irgendwie klingt das doch ganz anders bei der fünfköpfigen Band aus Toronto.

Mußte heute feststellen, daß mein Geschmack doch sehr normal ist und mir bei experimentellen Bands wirklich die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
!!! (chk chk chk) hatte ich vor ein paar Jahren mal gesehen und da gab es auch schon den Gimmick mit den zwei Schlagzeugern, der uns auch heute präsentiert wurde und den man ansonsten von Bands wie Caribou, Go! Team und Dananananaykroyd kennt. Also gibt es gar nix Neues bei dd/mm/yyyy? Hmm. Sie schreien ziemlich viel und ziemlich wild durcheinander. Aber das hatte ich so ähnlich auch schon bei den Blood Brothers, The Automatic und Dananananaykroyd gehört. Ausnahmsweise fehlen mir die Worte und ich zitiere eine Quelle, die ich bei Wikipedia gefunden habe. The nature of dd/mm/yyyy music is explained as: "A mess of spastic, specially challenged art rock with jagged, diamondback guitars, 80s video game synthesizers, and drums that roll with all the punches of the dicordant dreamy vocals." Aha? Habt ihr's kapiert? Nö? Egal! Kurz gesagt: es ist ein einziges Geschreie, Gehaue und Gesteche, aber trendige Menschen (und Blogger) finden's trotzdem geil.* Scheint mir zumindest so. Also hier und heute in Paris zuckte es vielen Hipstern bei den stakkatischen Rhythmen ganz schön im Fuß. Vor allem die anwesenden Amis und Kanadier kamen voll auf ihre Kosten.

Was sagt eigentlich die Visions zu dem Quintett aus Toronto? Würde mich jetzt mal interessieren, schließlich fanden die ja auch gänzlich unerträgliche Bands wie The Blood Brothers und Mars Volta grandios
. So fies sind dd/mm/yyyy übrigens nicht. Es gab immer mal wieder einzelne Passagen, überraschende Wendungen, Ideen und Tricks, die mich kurzfristig packten, aber letztendlich war es doch zu harter Tobak für mich und ich verließ vor dem Ende die Flèche d'or...

Videoclip: dd/mm/yyyy- Infinity Skull Cube



* man kann sich ganz genau die Formulierungen ausdenken, mit denen nordamerikanische Fans ihre Shows beschreiben: "these guys are totally amazing live, they are fucking awesome etc."



Samstag, März 06, 2010

Konzertankündigung Caroline Keating


Konzertankündigung: Caroline Keating
Orte: siehe unten

Daten: siehe unten




Anfang letzte Jahres hat uns mein Freund und Mitblogger Christoph von der Kanadierin Caroline Keating vorgeschwärmt. Ich konnte ihn nur allzu gut verstehen, denn ihre Lieder klingen wirklich wunderbar warm und sanft. Und bei den nach wie vor eisigen Temperaturen helfen die melancholischen Songs von Caroline bestimmt besser als ein heißer Tee. Schon sehr bald beginnt ihre kleine Europa Tournee mit Daten in der Schweiz, Belgien (1 x Brüssel), Deutschland und Frankreich (Paris). Ich werde mir das nicht entgehen lassen. Und ihr? Seit keine Frösche und geht hin!

Konzertermine Caroline Keating: (ohne Gewähr):

06.03.2010: Baden Festival at Herbert, Baden
07.03.2010: L'Archiduc, Brüssel
10.03.2010: Gaswerk, Winterthur
11.03.2010: Tankstell, St. Gallen
12.03.2010: Musigbistrot, Bern
13.03.2010: Yellowstage, Frankfurt
14.03.2010: Feinkostlampe, Hannover
16.03.2010: Le Baron, Paris

Aus unserem Archiv:

Caroline Keating, Köln, 30.01.09