Montag, Februar 08, 2010

Konzertankündigung Chimes & Bells


Konzertankündigung: Chimes & Bells

Orte: siehe unten
Daten: siehe unten



Die dänische Indieszene scheint die zur Zeit spannendste der Welt zu sein. Nach Efterklang, Slaraffenland, The Kissaway Trail, Under Byen und den kürzlich hier besprochenenen Choir Of Young Believers, spielen sich nun Chimes & Bells mit ihren melodramatischen Popsongs in den Vordergrund. Der französsiche Kultblogger-und Filmer Vincent Moon (La Blogothèque) ist bereits Fan und der hat immer ein feines Händchen beim Erstöbern spannender Künstler.

Konzerttermine Chimes & Bells (ohne Gewähr):

10.02.2010: Scheune, Dresden
11.02.2010: Schokoladen, Berlin
12.02.2010: Club W71, Weikersheim
13.02.2010: La Flèche d'or, Paris
14.02.2010: Cafe Video, Gent
15.02.2010: Lexington, London
16.02.2010: Windmill, London
17.02.2010: Freebut, Brighton
19.02.2010: By:larm, Oslo
20.02.2010: By:larm, Oslo
25.02.2010: Roter Salon, Berlin (supporting Beach House)
26.02.2010: Loppen, Hovesatden (supporting Beach House)

Konzertberichte Dänischer Bands aus unserem Archiv:

Choir Of Young Believers, Wien, 20.01.10
Efterklang, 03.10.09

Efterklang, Paris, 07.04.08

Slaraffenland, Paris, 07.12.09
The Kissaway Trail, Montreux, 16.07.08
The Kissaway Trail, London, 17.06.07
Under Byen, Paris, 03.10.08


The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10


Konzert: The Low Anthem
Ort: Cultureel Podium Roepaen, Ottersum, Niederlande
Datum: 05.02.2010
Zuschauer: 350



Uwe aus Aachen hat uns liebenswürdigerweise unaufgefordert einen Konzertbericht von The Low Anthem zugesendet. Prima Initiative, vielen herzlichen Dank!


JAHRHUNDERTKONZERT - 15 von 10 möglichen Punkten - MINDESTENS

Low Anthem in der Kirche, Kirche=Hall, aber hier absolut passend. Der Soundmann hat einen unglaublich guten Job hingelegt, jedes Instrument deutlich im Mix zu hören, und das bei dem Wahnsinnsakustikundelektrischmischmasch in einer halligen Umgebung - Respekt. Und nach dem dritten oder vierten Stück (Charlie Darwin) lagen ihnen 350 Zuhörer weinend zu Füßen und hätten alles für jedes auch noch so kleine Fitzelchen Musik getan.

Und was wir alles bekamen! Mal eben ein Stück für Gitarre, Kontrabass, Säge und Crotales? Bitte sehr. Oder doch lieber 2 mal Pump Organ, Klarinette und Bass?
Warum nicht. Lieber Horn, 2 Klarinetten, Pump Organ und 2 Handys? Klar! (Ich hab jetzt endlich rausgefunden, wie der spacige Soundeffekt am Ende von God Damn House fabriziert wird. Ben ruft von einem Handy ein anderes an, stellt beide auf laut und schon hat man die herrlichsten Rückkopplungen - dann noch leise reinpfeifen, fertig) Jetzt vielleicht was Erdiges? Klassiker? Gut, also Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und Pump Organ und mächtig Haudrauf - dabei dann noch auf der (!) Orgel ein jazziges Solo das man tatsächlich hört. Zu fetzig? Na gut, dann sofort danach alle im Halbkreis um ein einziges Mikro, 4-stimmiger Gesang, etwas Klarinette, leise gezupfte Gitarre, sparsamer Bass - fast so intim wie bei einem Hauskonzert. Noch nicht genug? Ok, dann kommen noch die 3 Leute der Vorgruppe (Brown Bird, auch absolut empfehlenswert aber DAGEGEN chancenlos) in den Kreis, 7-stimmiger Gesang, etwas Dobro dazu und noch ein Geigensolo - geht alles. Und passt alles. Allerfeinste Musik, das man so etwas erleben darf, großen dicken Dank an alle Beteiligten.

Zum Schluss standing ovations (im wahrsten Sinne des Wortes, alle sind aufgestanden). Im August dann beim Haldernpop, nächstes Jahr in den großen Hallen - sie haben es verdient, aber egoistischerweise würde ich sie gerne noch mal in einem solchen Rahmen wie heute erleben.

- Setlist folgt!
- Fotos vom Pariser Konzert von The Low Anthem von Oliver Peel.




Sonntag, Februar 07, 2010

My Bees Garden & El Boy Die, Paris, 07.02.10


Konzert: My Bees Garden & El Boy Die
Ort: L'International
Datum: 07.02.2010
Zuschauer: recht viele



Helfen Wadenwickel nun gegen Fieber, oder nicht? Hinsichtlich dieser Frage, liege ich mit meiner Frau nicht auf einer Wellenlänge. Sie hält das für Quatsch und empfiehlt stattdessen eine weitere Paracetamol-Tablette, ich hingegen schwöre auf die blöden Wickel. Kulturunterschiede nennt man das wohl. In Frankreich sind Omas Hausrezepte schon lange nicht mehr in Mode und auch die in Deutschland enorm populäre Homöpathie hat hier deutlich weniger Anhänger. "Oliver, wenn sie mal eine Tablette vergessen haben sollten, machen sie es wie ich: nehmen sie einfach noch eine", riet mir unlängst mein französicher Hausarzt und grinste dabei diebisch. Er würde wahrscheinlich einen Lachkrampf kriegen, wenn ich ihm erzählte, daß die Deutschen auf so seltsame Dinge wie das Kneipen und Heilfasten stehen. Vielleicht würde ihm auch seine Kippe dabei aus dem Mund fallen, denn er raucht, wohlgemerkt auch während seiner Sprechstunde!

Aber eigentlich hängt mir das Thema Fieber bzw. Grippe zum Halse raus. Seit Tagen bin ich an das Bett gefesselt, finde ein wenig Abwechslung in der Lektüre von J.D. Salinger oder glotze Videos auf YouTube wo der wirklich urkomische Arno Dübel die selbstgefälligen Moderatoren Kerner und Maischberger mit seinen provokanten Aussagen veräppelt. Der Mann hat schauspielerisches Talent, Theaterleute oder Fernsehmacher sollten ihm mal eine Stelle anbieten. Natürlich sind seine Haltung und seine Äußerungen absolut unhaltbar, aber zumindest sorgten seine Sprüche für etwas Kurzweil bei der Bekämfung meiner Grippe.

Aber letztendlich fehlten mir die Konzerte. Schöne Sachen habe ich verpasst, z.B. Midlake, Cats In Paris, Brett Anderson, oder auch Mintzkov. C'est la vie, wie der Franzose sagen würde!

Heute aber musste ich einfach wieder mal raus auf die Piste, obwohl ich nach wie vor üble Halsschmerzen hatte. Dick verpackt machte ich mich auf den Weg ins International, wo heute die halbe Pariser Indieszene abhing. 2/3 der Band von Herman Düne waren da, aber auch Yeti Lane, Tahiti Boy, My Broken Frame, My Girlfriend Is Better Than Yours, Franz Is Dead und so weiter und so fort.

Wer stand auf dem Programm, bei so viel Andrang? Der traurige Singer/Songwriter Thomas Méry, von dem ich nur noch ein paar Songs mitbekam, El Boy Die und My Bees Garden.

El Boy Die? Noch nie gehört? Na dann wird's aber Zeit! Das Projekt des Franzosen Emmanuel, der singt und Gitarre spielt und der Schlagzeugerin Cab ist nämlich wirklich spannend. Das erste Album How The Way Is Long wurde auf dem glänzenden Water House Records Label veröffentlicht und enthält etliche mystische und pechschwarze Songs, die man in die Schubladen Folk, aber auch Grunge einordnen könnte. Warscheinlich deshalb auch die MySpace- Freundschaft zu Scout Niblett, denn in der Tat gibt es musikalische Parallelen. Emmanuel verwendet aber zusätzlich tribalische Gesänge und verleiht seinen spannungsgeladenen Liedern auch gerne mal ein mittelalterliches Ambiente. In der Regel fingen die Stücke immer sehr behutsam und still an, bevor sich gegen Ende die Spannung in einem wilden Hagel aus Schlagzeugsalven und jaulenden Gitarren entlud. Post-Grunge, oder auch Post-Folk, diese (wahrscheinlich gar nicht existierenden Kategorien) kamen mir in den Sinn. Schade, daß zwei Streithähne im Publikum von der mitunter harten und aggressiven Musik aufgepeitscht, eine Keilerei anfingen. Einer der beiden Burschen hatte im offensichtlich besoffenen Kopf enorm ausladend getanzt, was den Kerl hinter ihm dermaßen nervte, daß er ihn mit einem Fußtritt zu Boden beförderte. Der Suffkopf stand stark torkelnd wieder auf und wollte es dem anderen nun heimzahlen. Unschöne Szenen mit fiesen Drohgebärden ereigneten sich, aber zum Glück herrschte am Ende wieder Frieden und man konnte sich auf das Konzert konzentrieren.

El Boy Die haben mich neugierig gemacht, ich werde sie mir in Zukunft noch einmal ansehen!

- Videoclip El Boy Die - Lullaby

Zum Abschluss des Konzertabends marschierten zwei entzückende Mädchen und drei Jungs ein. My Bees Garden ist das Projekt von Melody Prochet, die alle schon von meinen Konzertberichten über Myra Lee kennen (nein?, wie ihr stübert hier nicht jeden Tag??) Jeder von unseren täglich 100 000 Lesern hat gelesen, wie ich von ihr in der Rolle der Keyboarderin und der Sängerin Maud Nadal schwärmte, die die Mädels an der Spitze von Myra Lee sind. Bei My Bees Garden ist die Aufgabenverteilung umgekehrt. Da singt Melody, Maud summt lediglich im Background und spielt Keyboard und Gitarre. Auch stilistisch ist das Ganze etwas anders. Während man Myra Le am besten unter das Genre Folk fasst, passen bei My Bee's Garden die Begriffe Pop und Shoegaze besser. Ein ätherischer verhallter Gesang, sphärische Gitarren und eine zarte Melacholie, die mich in einigen Momenten an Blonde Redhead oder Stereolab erinnerte. Ziemlich schnell war ich von diesem Sound eingenommen und erfeute mich an Stücken wie Lone Wolf's Home und Half Asleep. Zur Mitte hin gab es dann auch ein Cover, das die Mädels nicht als solches deklarierten, das ich aber nach genauerem Hinhören als Only Shallow von My Bloody Valentine identifizieren konnte. Deutlich weniger noisig als das Original, aber stimmlich und melodisch war das keine Lichtjahre von den Engländern entfernt. Ohnehin gefielen My Bee's Garden vor allem dadurch, daß sie eine sinnliche, eigenständige Musik kreierten, die ich in dieser From noch nicht gehört hatte. Kein einfältiger Bubblegum Refrain weit und breit, stattdessen immer wieder hübsche Chorgesänge und viele feine Ideen. So sollte Pop klingen!

Aber jetzt zurück ins Bett. Vielleicht sollte ich mir noch einen Wadenwickel machen?






Freitag, Februar 05, 2010

Konzertankündigung Chokebore


Konzertankündigung: Chokebore

Orte: siehe unten
Daten: siehe unten


Ob es die schweinische Grippe bei mir ist? Seit Montag liege ich flach und habe immer noch Hals-und Gliederschmerzen wie Sau. Passt ja irgendwie. Ihr in Deutschland müßt spätestens am 14.02.2010 in Hochform sein, denn dann startet die kurze Comeback- Tournee der hawaiianischen Grunge Legenden Chokebore in Chemnitz. Ich habe noch bis zum 19. Februar Zeit, wieder zu genesen. Troy von Balthazar und seine alten Kumpels will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Ich denke die Konzerte werden - um beim schweinischen Vokabular zu bleiben - , einfach saugeil!

Chokeboke live, geil, geil, geil!

Konzertdaten Chokebore (Ohne Gewähr):

14.02.2010: AJZ Talscock, Chemnitz
15.02.2010: Schlachthof, Wiesbaden
16.02.2010: Kafe Kult, München
17.02.2010: Usine PTR, Genf
18.02.2010: Schüür, Luzern
19.02.2010: Maroquinerie, Paris
20.02.2010: Botanique, Brüssel
24.02.2010: Festsaal Kreuzberg, Berlin
26.02.2010: Club 007, Prag

Aus unsererm Archiv:

Troy von Balthazar, 21.11.09
Troy von Balthazar, Paris, 18.04.09
Troy von Balthazar, Paris, 04.12.06



Mittwoch, Februar 03, 2010

Konzertankündigung She Keeps Bees


Konzertankündigung: She Keeps Bees
Orte: siehe unten
Daten: siehe unten


Der Fieberschweiß rinnt mir von der Stirn, aber dennoch will ich die Gelegenheit nutzen, auf eine ebenfalls fiebrig klingende Band hinzuweisen, die bald auch auf deutschen Konzertbühnen aufkreuzen wird. Jessica Larrabee (Gitarre, Gesang) und Andy LaPlant (Drums) aus Brooklyn nennen sich She Keeps Bees und machen rohen, staubtrockenen Wüstenrock wie ich ihn mag. Die beiden würden perfekt zu einer Desert Session von Josh Homme passen und heizen sicherlich ihren Fans gewaltig ein. Stutter rockt schon auf CD wie Hölle, wie wird das erst live werden?

Ausgewählte Konzertdaten She Keeps Bees (ohne Gewähr):

15.02.2010: Cafe Video, Gent
16.02.2010: Botanique/Witloofbar, Brüssel
17.02.2010: Burgerweeshuis Café, Deventer
18.02.2010: Paradiso, Amsterdam
19.02.2010: Patronaat Café, Harlem
27.02.2010: Maroquinerie, Paris
28.02.2010: Astra Stube, Hamburg
01.03.2010: West Germany, Berlin
03.03.2010: Scheune, Dresden
04.03.2010: Fluc, Wien
05.03.2010: Hafen 2, Offenbach
06.03.2010: Manufaktur, Schorndorf,


Links:

- ein wie immer sehr lesenswertes Porträt der Band gibt es auf dem Klienicum. Klick!
- aktuelle Fotos von She Keeps Bees bei Robert Gil, klick!


Dienstag, Februar 02, 2010

Midlake, Paris, 02.02.10


Konzert: Midlake

Ort: Le Nouveau Casino,
Paris

Datum: 02.02.2010

Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 90 Minuten



Ich bin krank. Fieber, Halzschmerzen, Gliederschmerzen, das volle Programm. Nix war es mit dem sehnlich erwarteten Konzert der Texaner von Midlake, die im Pariser Nouveau Casino Songs ihres neuen Albums The Courage Of Others präsentierten. Mein Freund Philippe D. war allerdings vor Ort und berichtete hinterher von einem exzellenten Konzert. Das Vorprogramm bestritt die Folksängerin Sarah Jaffe, zusammen mit dem Pianisten von Midlake und Robert Gomez, bevor Midlake zu siebt die Bühne enterten. 4 (!) Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug und eine Flöte (Piano) gehörten zum Instrumentarium. Logisch, daß sie derart bestückt veritable Gitarrenwände hochgezogen haben, die aber nichts an dem eleganten Stil -Folk Pop im Stile der 1970er er Jahre, änderten.

Hinsichtlich der Setlist wurde das komplette neue Album gespielt, zuzüglich der ersten 6 Lieder von Van Occupanther, die sich in neu arrangiertem Gewande präsentierten. Das erste Album ließ man hingegen komplett aus.

Fulminant das Finale mit einer unfassbaren Version von Head Home und der einzigen Zugabe Branches!

Pour nos lecteurs français (par Philippe D., merci beaucoup!)


Je sors du concert, qui a été excellent!

En première partie, Sarah Jaffe (chanteuse folk de la ville de Denton), accompagnée par le clavier de Midlake et par Robert Gomez (à la guitare, à la basse, aux backing vocals et même à la batterie ! (il avait fait la première partie de Midlake en 2007 au Trabendo).

Ce qui frappe d'abord quand on voit Midlake, c'est qu'ils sont 7 sur scène, dont 4 (!) guitares, 1 basse, 1 batterie et 1 flutiste-clavier. Tim Smith, le leader du groupe, joue également de la flute sur certains morceaux ( en plus de sa guitare).

Tout ça constitue un mur de son à la fois puissant et sophistiqué, avec un esprit très folk- pop anglais du début des années 70 (c'est le style du nouvel album).

En ce qui concerne la setlist (je n'ai pas tout noté), ils ont joué quasi intégralement le nouvel album (au moins 10 titres sur les 11 qu'il comprend)... Et les 6 premiers titres de Van Occupanther ( c'est à dire les meilleurs), dont certains ont été réarrangés pour inclure de la flute. Aucun titre du premier album... Le concert, qui a duré 1 h 30, s'est terminé par une version incroyable de Head Home. Un seul rappel : une longue ( et excellente) version de Branches.

Photos par Philippe D. Merci!

Link:

- Album Rezension Midlake - The Courage Of Others von Blogger-Lichtgestalt Eike vom Klienicum. Klick!

Aus unsererm Archiv:

Midlake, Evreux, 07.07.07
Midlake, Paris, 20.04.07
Midlake, Paris, 11.11.06


Ausgewählte Konzerttermine Midlake (ohne Gewähr)

09.02.2010: Lido, Berlin
10.02.2010: Paradiso, Amsterdam
11.02.2010: AB Box, Brüssel
12.02.2010: Anson Rooms, Bristol
14.02.2010: Vicar, Dublin
15.02.2010: ABC, Glasgow
16.02.2010: Town Hall, Birmingham
17.02.2010: Academy, Manchester
18.02.2010: Shepherds Bush Empire, London




Montag, Februar 01, 2010

Choir Of Young Believers, Wien, 20.01.10


Konzert: Choir Of Young Believers
Ort: Haus der Musik, Wien
Datum: 20.01.2010
Besucher: etwa 120
Dauer: 90 Minuten


- von Julius aus Wien -

Schmähs wie „Kriechen Griechen hinter Griechen, kriechen Griechen Griechen hinterher“ oder “Dänen, denen …“ kann Jannis Noya Makrigiannis wohl nicht mehr hören. Vorausgesetzt es gibt dänische Äquivalente zu diesen Schüttelreimen.

Jannis ist Däne mit griechischen Wurzeln, wie weit diese reichen, ist mir nicht bekannt, aber nachdem angeblich alle Griechen vom umtriebigen Göttervater Zeus abstammen, dürfte auch er ein wenig Nektar und Ambrosia in seinen Adern haben. Nur vielleicht weniger von Zeus höchstpersönlich, sondern von Apollo?! Gott des Gesangs und eh schon wissen…

Und damit nicht genug der religiösen Motive, denn Jannis nennt sein jüngstes Projekt „Choir Of Young Believers“. Eine richtige Band, im herkömmlichen Sinne, ist es keine, er spricht auch von „seinem Soloalbum“, wenn er vom COYB-Debüt „This Is For The White In Your Eyes“ erzählt. Zu viel Demokratie in einer Band könne eine schlechte und gefährliche Sache sein, meint er. Vergleichbar ist sein Verhältnis zu den Musikern wohl am ehesten mit dem eines Trent Reznor oder Conor Oberst zu ihren Bandkollegen. Austauschbare Live-Mitglieder zur Realisierung der Arrangements, aber beim Schreiben darf ihm da niemand in seine Songs reinpfuschen. Ein halbes Jahr soll er sich nach Griechenland, genauer in die bergigen Gefilde der Insel Samos, zurückgezogen haben, um dort seine Songs zu schreiben, fertig gestellt wurden sie dann in Berlin.

Nach der EP „Burn The Flag“ erschien letzten Herbst dann das reguläre Album, nun, im Winter, geht der Choir erstmals auf größere Tour, welche ihn auch in germanophone Landen führte. So auch nach Wien.

Der „Vienna Songwriting Association“ ist es zu verdanken, dass sich Jannis und seine Band im Haus der Musik die Ehre gaben. Ein edler Veranstaltungssaal mit blauem Samtvorhang, Holzparkett und erstklassiger Akustik bildete den Rahmen, ein recht zahlreich erschienenes Publikum machte es sich in bequemen Stühlen gemütlich und wartete. Und wartete. Denn erst eine gute halbe Stunde nach Planbeginn trauten sich die Dänen auf die Bühne. Oder hatte etwa der Tontechniker etwas verbockt?

Relativ egal eigentlich, das Sextett stand schlussendlich doch auf sehr engem Raum zusammengequetscht auf der Bühne und begann ohne große Umschweife mit „Riot“, einem Song der 07er-EP „Burn The Flag“. Anfangs sehr distanziert und reduziert, mit getragenem Cello-Spiel steigert sich Jannis gegen Ende des Songs zu einem „Riot“, wie man ihn sich wünscht, hinein. Sehr nervös ist er, das ändert sich auch mit dem ersten potenziellen Hit, „Next Summer“ nämlich, nicht. Oftmals schwimmt er rhythmisch ein wenig und kommt aus dem Takt, aber selten war Unsicherheit so sympathisch. Schüchterne Ansagen, er freue sich, erstmals in Wien spielen zu dürfen, folgten, wobei er weniger der Hundertschaft vor ihm, sondern in ursprünglicher Shoegazing-Manier seinen Schuhen Beachtung schenkte.

Es sollte bis „Under The Moon“ dauern, bis er sein Lampenfieber halbwegs in den Griff bekommt. Bis auf Cello-Begleitung völlig solo stimmte er den Song an, der nach eigene Aussagen sein liebster sei und der ihm bei Performen immer wieder Gänsehaut über den Rücken laufen lasse. Erst allmählich begannen die restlichen vier Bandmitglieder, sich einzubringen und vollenden wunderschöne fünf Minuten, die Jannis großteils völlig alleine überstanden hatte. Absolute Stille hatte den ganzen Song über geherrscht und diese dauerte auch noch einige Sekunden an. Dann brach plötzlich lauter Jubel aus. War das Vorangegangene noch gehobene Durchschnittskost gewesen, tat sich mit einem Mal das Genie dieses Dänen auf. Fragil, aber gänzlich authentisch, frei von Kitsch und Weinerlichkeit, reduziert auf das Skelett, knapp an der Grenze des Existenzialistischen vorbeischrammend, kurzum: ausnehmend durchdringend, was Makrigiannis da zauberte.

Er wisse es übrigens sehr zu schätzen, dass die Zuhörerschaft absolut still gewesen war, das sei nicht selbstverständlich. Allerdings sei er sich in fremden Ländern nie ganz sicher, ob es dem Publikum auch gut gehe, wenn es keinen Ton von sich gibt. Ein Lebenszeichen wollte er also, der Jannis, das bekam er auch.

Was danach folgte, war durch die Bank großes Kino. Kein Blockbuster, aber ein wunderschöner Independent-Streifen, der in großen Sälen unterginge.

Und nach etwa eineinhalb Stunden Spielzeit und zwei Zugabenblöcken war das erste Gastspiel des COYB in Wien auch schon wieder vorbei. Und keiner der Anwesenden wird widersprechen, wenn ich dem Choir als einer von vielen eine ganz große Zukunft prophezeie.

Und Malaysier ist Jannis übrigens neben den beiden anderen bereits genannten Nationalitäten auch noch, wie ich gerade las. Vielleicht findet sich dort ja auch eine abgeschiedene Insel, um das nächste Album zu erarbeiten, wer weiß?

Bis dahin trete ich in den Kirchenchor zu Ehren des COYB ein und stimme das Hohelied zu Ehren Jannis an. Gloria in excelsis Janno!

Setlist
Choir Of Young Believers, Haus der Musik, Wien:

01: Riot
02: Next Summer
03: She Walks
04: Sharpen Your Knife
05: These Rituals Of Mine
06: Burn The Flag
07: Under The Moon
08: Wintertime Love
09: Why Must It Always Be This Way
10: (Neuer Song)
11: Action/Reaction

12: God Damn Your Fingers (First Floor Power Cover) (Z)
13: Claustrophobia (Z)

14: Hollow Talk (Z)